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Erlebnisse mit dem Zwergbuntbarsch Apistogramma agassizii

 

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Agassiz´ Zwergbuntbarsch Apistogramma agassizii, ein Männchen

© Dr. Jörg Vierke


Es gibt viele Zwergbuntbarsch-Arten, aber wenn man von dem Zwergbuntbarsch spricht, dann ist Apistogramma agassizii gemeint. Er ist im tropischen Südamerika beheimatet, wo er im Gebiet des Amazonas und in seinen südlichen Nebenflüssen in Brasilien und Bolivien vorkommt. Sein Verbreitungsgebiet reicht südlich bis nach Paraguay und greift damit weit über das Einzugsgebiet des Amazonas hinaus, in die Wasserläufe des Parana und des oberen Rio Paraguay. Die Tiere sollen in ihren Heimatgewässern nicht selten, aber doch auffallend scheu sein.

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Apistogramma agassizii: Das Weibchen lädt seinen Partner ein, in die Höhle zu kommen.
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Das agassizii-Männchen kann dieser Aufforderung nicht widerstehen.
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Wenn das Zwergbuntbarsch-Paar einträchtig nebeneinander aus der Höhle schaut, dauert es mit dem Ablaichen nicht mehr lange.

Dem großen Verbreitungsgebiet der Tiere entsprechend, gibt es vor allem in der Färbung der Männchen Unterschiede, die durch das Vorkommen verschiedener geographischer Rassen zu erklären sind. Buntbarsch-Kenner sind sich aber einig, dass Apistogramma agassizii einer der schönsten Cichliden ist. Meine Männchen glänzten je nach Lichteinfall kräftig metallisch-grün bis bläulich. Zeitweilig waren sie im vorderen Körperdrittel orangefarben. Die lang ausgezogene Rückenflosse, die bei ausgewachsenen Männchen bis zum Ende der Schwanzflosse reicht, ist bräunlich oder orange gefärbt und bildet einen Kontrast zu der hellblauen Afterflosse. Die säbelförmigen Bauchflossen leuchten ebenfalls hellblau und sind orangefarben gesäumt. Einen besonderen Schmuck bildet die keilförmig ausgezogene Schwanzflosse mit ihren bläulichen Seitenstreifen, nach der diese Fische vielfach auch Keilschwanz-, Spatenschwanz- oder Buntschwanz-Zwergbuntbarsche genannt werden. Sehr auffallend ist ferner ein schwarzer Bartstreifen sowie ein kräftiger schwarzer Längsstreifen, der sich vom Auge über den Körper hin bis in die Ausläufer der Schwanzflosse erstreckt. Nicht selten scheint dieser Streifen aber durch den Metallglanz des Körpers völlig überdeckt.

Die Weibchen sind schlichter gefärbt als die Männchen. Ihre Flossen sind abgerundet und nur wenig zugespitzt, sind aber vielfach schön orange gefärbt. Die ersten Hartstrahlen der Rückenflosse und ein Teil der Bauchflossen sind tief schwarz. Ihrem Körper fehlt der Metallglanz. Er ist kräftig gelb und steht damit in einem schönen Kontrast zu den schwarzen Streifen, die wie beim Männchen angeordnet sind. Je nach Stimmung kann sich der Längsstreifen verstärken oder bis auf einen runden schwarzen Fleck in der Körpermitte ganz verschwinden. Letzteres sieht man besonders oft bei laich- und brutpflegenden Weibchen. Die Männchen erreichen Gesamtlängen von acht Zentimeter, wovon allerdings 2,5 Zentimeter auf die Schwanzflosse entfallen. Dennoch erscheinen die Fische wegen ihres schlanken Körperbaus klein. Die Weibchen bleiben mit vier bis sechs Zentimeter Gesamtlänge kleiner als die Männchen.

Apistogramma agassizii wurde erstmals 1909 von C. Siggelkow nach Deutschland gebracht. Wegen der Schwierigkeiten bei der Zucht und Pflege dieser schönen Tiere mussten sie aber immer wieder neu importiert werden. Wenn man jedoch mehrere Tiere unter ihnen zusagenden Bedingungen hält, kann man mit etwas Fingerspitzengefühl gute Zuchterfolge haben. Einer meiner Bekannten züchtet diese Cichliden seit Jahren und beliefert alle Zoohandlungen der Umgebung. Ich ließ mir von ihm vier Jungtiere und viele gute Ratschläge geben und setzte die Zwerge zunächst in ein 80-Liter-Aquarium, das cichlidengerecht mit liegenden, halb in den Boden eingegrabenen Blumentöpfen, vielen Baumwurzeln und Pflanzen eingerichtet und mit besonders weichem, leicht saurem Wasser gefüllt war. Die Tiere fühlten sich aber nicht wohl; bei der geringsten Störung verschwanden sie und blieben für Stunden hinter den Wurzeln versteckt.

Nach einigen Tagen pfiff ich auf mein missglücktes Zuchtaquarium und setzte die Fische kurzerhand in ein 200-LiterAquarium, in dem bereits einige Gelbe Zwergbuntbarsche (Apistogramma borellii), Kakadu-Zwergbuntbarsche (A. cacatuoides) und Schmetterlings-Buntbarsche (Mikrogeophagus ramirezi) lebten. Hier waren die Wasserverhältnisse zwar längst nicht so gut wie im kleinen Becken; dafür gab die Gegenwart der anderen Fische, die ganz unbekümmert umherschwammen, den Neuankömmlingen das Gefühl, hier in Sicherheit zu sein. Es stellte sich schon nach wenigen Tagen heraus, dass ich zwei Männchen und zwei Weibchen bekommen hatte. Die Weibchen bezogen bald zwei noch unbesetzte Blumentopfhöhlen. Bei guter Ernährung mit Tümpelfutter wuchsen die Fische rasch heran, vor allem die Männchen, die auch bald ihre ansprechenden Farben zeigten. Die Weibchen blieben im Längenwachstum hinter ihren Männern zurück, nahmen dagegen an Körperumfang zu.

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Mit dem Bauch nach oben gewandt, klebt das agassizii-Weibchen die Eier an die Decke der Blumentopfhöhle. Anschließend besamt das Männchen den Laich.
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Zwischendurch verlassen die Zwergbuntbarsche einzeln oder zu zweit die Höhle. Sie kehren aber bald wieder zurück.
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Wenn alle Eier abgelegt sind, wird das zurückkommende Männchen nicht mehr in die Höhle gelassen.

Nach einigen Wochen stellte es sich heraus, dass selbst dieses 1,20 Meter lange und mit Wasserpflanzen, Wurzeln und Steinen gut gegliederte Becken zu klein für zwei fast erwachsene Männchen war. Das etwas kleinere Tier wurde von dem überlegenen Männchen fast ständig gejagt und schließlich - ich muss es zu meiner Schande gestehen - umgebracht. Es war nicht möglich gewesen, das wendige Tier aus dem dicht bepflanzten Aquarium heraus zu fangen.
Nun herrschte der Sieger über die beiden Weibchen, die ihre Gebiete untereinander genau abgesteckt hatten und gegeneinander heftig verteidigten. Sie besaßen also jedes ein Unterrevier im Revier des Mannes. Revierzentrum war die Höhle. Zeitweilig inspizierte der Herrscher auch kurz die Höhlen seiner Untertanen, aber man hatte das Gefühl, dass er dabei nur geduldet wurde.

Nicht selten wurde er auch mit gespreizten Flossen und drohend gesenktem Mundboden empfangen, oder das Weibchen wendete ihm die Kehrseite zu, um ihm mit einem heftigen Schwanzschlag einen Wasserschwall gegen den Kopf zu schleudern. In solchen Fällen zog sich das viel größere Männchen immer sofort aus der Nähe der Höhle zurück.

Die Temperaturen in dem Aquarium lagen bei 25 bis 28° C, die Wasserhärte war mit 10 bis 11° dH relativ hoch für Zwergbuntbarsche, und auch der pH-Wert war eigentlich viel zu hoch. Er lag bei 7,9 bis 8,1.* Dass die Fische trotzdem vielfach abgelaicht und sogar Junge gepflegt hatten, ist sicher vorwiegend auf die abwechslungsreiche Fütterung mit Cyclops, Weißen und Schwarzen Mückenlarven, Wasserflöhen und - seltener - Tubifex zurückzuführen. Aber auch Trockenfutter wurde zwischendurch gern genommen.

Es ist nicht leicht, das Ablaichen zu beobachten, denn schon viele Tage vorher hat das Weibchen das Innere des im Sand halbvergrabenen Blumentopfes vor dem Höhleneingang abgelagert, so dass oft nur noch ein kleines Einschlupfloch frei bleibt. Nur mit einer Taschenlampe kann man dann sehen, was da im Dunkeln der Höhle geschieht, und Fotografieren ist dann natürlich besonders schwierig. Auch halten sich die Fische nicht mit langen Balzspielen auf. Meist bemerkte ich das Gelege erst, wenn schon alles vorbei war. Das Ablaichen dauert nur etwa eine Viertelstunde. Bald merkte ich aber, dass eigentlich immer, wenn das Männchen sich nachhaltig für die Höhle interessierte oder wenn es gar wiederholt in sie hineinschlüpfte, entweder das Laichen direkt bevorstand oder dass bereits abgelaicht wurde. Das Weibchen klebt die länglichen Eier rücklings schwimmend an die Decke der Höhle. Die Farbe der Eier hängt ganz von der Art der in den letzten Tagen aufgenommenen Nahrung ab. Nach Cyclops-Nahrung sind sie leuchtend orangerot, nach Weißen Mückenlarven und Trockenfutter blaßgelb.

Wenn die Eier befruchtet sind, hat das Männchen nichts mehr in der Höhle! zu suchen. Auch im näheren Umkreis der Höhle wird es vom Weibchen nicht mehr geduldet. In kleinen Zuchtaquarien wird der Vater daher nicht selten von seiner Frau umgebracht. In meinem Aquarium war das nicht zu befürchten. Hier hatte das Männchen genügend Platz, seinem Weibchen auszuweichen. Zeitweilig war zu beobachten, dass der Vater andere Fische aus dem Bereich der Bruthöhle fernhielt.

In den Tagen nach dem Ablaichen war das Weibchen viel mit dem Ablutschen, also dem Säubern der Eier beschäftigt. Meist stand es jedoch in typischer Stellung vor oder in dem Höhleneingang, mit dem Schwanz nach innen zeigend, und fächelte mit kräftigen Schlägen der Schwanzflosse einen ständigen Wasserstrom in das Innere der Bruthöhle. Da ich keinen Wert auf große Nachzuchtzahlen legte, gab ich keine Mittel gegen Laichverpilzung ins Wasser. Ich verzichtete vor allem auch deshalb darauf, weil ich schon früher erlebt hatte, wie außerordentlich empfindlich Apistogramma-Arten auf alle Chemikalien reagieren. Unter diesen Umständen ist es bei den oben genannten Wasserwerten nicht verwunderlich, dass die Mehrzahl der Gelege verpilzte. Auch unter idealen Bedingungen verpilzen die Gelege der Zwergbuntbarsche oft, oder die Weibchen fressen ihren Laich ohne ersichtlichen Grund.

Nach zwei Laichabgaben sah ich das Weibchen jedoch mehrere Jungfische führen. Die noch nicht schwimmfähigen Larven wurden anfangs mehrfach umgebettet. Auch nach dem Freischwimmen wurden sie eifrig von ihrer Mutter gehütet und gepflegt. Gegen Abend nahm das Weibchen die Kleinen ins Maul und spuckte sie ins Innere der Höhle. Da ich die Jungen im Aquarium kaum füttern konnte, saugte ich einen Teil des kleinen Schwarms zwei Tage nach dem Freischwimmen mit einem dünnen Schlauch heraus in ein Extrabecken, wo ich sie, von ihrer Mutter getrennt, mit frisch geschlüpften Artemien großzufüttern suchte. Das Ergebnis waren zehn prächtige Weibchen, leider aber kein Männchen. Das erstaunt, denn sonst wird in der Literatur - von einem Fall abgesehen - genau das Gegenteil von Apistogramma agassizii berichtet. Viele Züchter klagen, dass sie vorwiegend Männchen großziehen. In einem Fall sollen sogar unter 2000 Nachzuchttieren nur zwei Weibchen gewesen sein!

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Eine Apistogramma agassizii-Mutter mit gerade freischwimmender Brut. Die gut getarnten Jungen sind direkt unter der Mutter über dem Stein.

Inzwischen hat leider fast die ganze Zwergbuntbarschschar das Zeitliche gesegnet. Eine größere Portion Tubifex hat sie dahingerafft. Wenige Stunden nach der Fütterung starben zuerst diejenigen, die am meisten gefressen hatten, später auch die etwas mäßigeren Fresser. Nur ein ohnehin krankes Weibchen hat überlebt, da es kein Futter zu sich genommen hatte, ferner alle Nicht-Zwergbuntbarsche, die Salmler, Regenbogenfische, Killifische und die übrigen Cichliden, obwohl sie zum Teil geradezu unmäßig von den Tubifex gefressen hatten. Man sieht also, auch wenn man Zwergbuntbarsche manchmal noch in relativ hartem und leicht basischem Wasser züchten kann, bleiben sie empfindliche Fische, die Ansprüche an die Qualität des Wassers und des Futters stellen.

agassizi-gif.gifZum Schluss eine kurze Zusammenfassung: Kaufen Sie nie einzelne Zwergbuntbarsche, sondern einen kleinen Schwarm Jungfische, so dass sich ein passendes Paar bilden kann. Sorgen Sie für gute Bepflanzung und Höhlen, die die Fische als Verstecke und Laichplätze brauchen. Verwenden Sie möglichst weiches, leicht saures Wasser - Vorsicht mit Chemikalien aller Art!


Dieser Artikel wurde fast unverändert dem Aquarien-Magazin entnommen: AM (1974), S. 139 - 143. In der langen (!) Zwischenzeit habe ich weitere Beobachtungen bei der Haltung und Zucht dieser Art gemacht. Da sie aber nicht grundlegend vom obigen Erfahrungsbericht abweichen, habe ich hier ganz bewußt den Original-Bericht wiedergegeben - er ist nicht veraltet! Nur wenige Formulierungen wurden geändert und die wissenschaftlichen Namen aktualisiert. Letzte Überarbeitung 6. 9. 2012

Seither wurden nicht nur weitere unterschiedlich gefärbte Formen aus bestimmten Flussgebieten Amazoniens eingeführt. Durch Auslesezucht und Kreuzungen wurden auch beim Agassizii eine Vielzahl der unterschiedlichsten Farbformen erzielt, teilweise sogar leuchtend orangefarbene Tiere. - Die hier vorgestellten Tiere sind Nachzuchten, die von wildfarbenen Tieren abstammen.

* Ich brauchte richtig Mut, diese Passage unverändert zu lassen. Apistogramma agassizii sollte nicht bei Werten über dem Neutralpunkt (pH 7) gehalten werden!

 


Der Film zum Spatenschwanz-Zwergbuntbarsch Apistogramma agassizii

Weiteres für Apistogramma-Freunde:  

Apistogramma cacatuoides >>>

Apistogramma resticulosa >>>

Apistogramma hongsloi >>>

Apistogramma regani (in Fischverhalten.de) >>>

Apistogramma rubrolineata (Film, unten auf der Seite!)  >>>

Apistogramma borellii (Laichserie, unten auf der Seite!)  >>>

Apistogrammoides pucallpaensis  >>>

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