Fischreisen - Dr. Fisch
 
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»» Aequidens pulcher

Es gibt nur wenige Cichliden, die ihren deutschen Namen "Buntbarsch" so eindrucksvoll rechtfertigen wie Aequidens pulcher, der Blaupunkt-Buntbarsch. Mein gut zwei Meter langes Wohnzimmeraquarium wird von einigen großen Südamerika-Cichliden bevölkert. Ich habe eine Vorliebe für diese Tiere, auch wenn sie inzwischen nicht mehr ganz "in" sind. Dort schwimmt neben den seltsam gestalteten, grün glänzenden Geophagus steindachneri, den prächtig rot gefarbten "Meekis" und einigen anderen Cichla­soma-Arten ein Aequidens-pulcher-Paar, das sofort alle Blicke der Besucher auf sich zieht. Die Blau­punkt-Buntbarsche sind eindeutige Stars unter meinen Fischen.

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        Aequidens pulcher: Während das Weibchen den Laich auf den Stein klebt, setzt das Männchen (rechts) gerade zum Befruchten des Geleges an.
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        Nun schwimmt das Weibchen wieder den Stein an. Im Vergleich zur Abbildung oben erkennt man deutlich die Unterschiede in Form und Größe der Laichpapillen bei den Geschlechtern.
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        Jetzt ist "Er" wieder an der Reihe!

Der Blaupunkt-Buntbarsch, ein Star unter den Cichliden

© Dr. Jörg Vierke

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GILL hatte völlig recht, als er 1858 diesen Cichliden als "pulcher" (lat. - schön) bezeichnet hatte. Zur Freude der Aquarianer zeigen die Blaupunktbuntbarsche ihre glänzenden Farben dauernd und nicht etwa nur zur Balz- oder Paarungszeit.

Wer sich ein Pärchen Blaupunkt-Buntbarsche zusammenstellen will, kann allerdings etwas Glück brauchen. Die Geschlechter lassen sich nur bei älteren Tieren einigermaßen gut auseinander halten. Dann erkennt man die zumeist größeren Männchen an den besonders lang ausgezogenen Spitzen der Rücken- und Afterflosse. Bei jüngeren Tieren kann man sich auf dieses Merkmal nicht so recht verlas­sen. Zur Zusammenstellung eines Paares ist es ganz hilfreich zu wissen, dass die Männchen gewöhnlich schneller als die Weibchen heranwachsen. Ich will gern gestehen, dass mich meine Fische lange Zeit im Zweifel gelassen hatten, ob sie wirklich ein Paar waren. Letzte Gewissheit über die Geschlechtszugehörig­keit erhält man erst beim Ablaichen der Fische durch die Form der Laichpapillen.

Da ich meine Blaupunktbuntbarsche beim Ablaichen und bei der Jungenpflege beobachten und fotografieren wollte, brachte ich sie - nachdem sie in einem "Sammelsuriumbecken" auf eine passable Größe herangewachsen waren - ­zunächst in einem kleinen 80 x 25 x 25-Zentimeter-Becken unter. Bei 25° C laichten die Tiere im Verlauf eines knappen halben Jahres fünfmal.

Doch erst beim letzten Mal konnte ich endlich dabei sein, um die Fische beim Ablaichen beobachten und fotografieren zu können. Ich handelte nach dem Grundsatz, dass eine ausreichende Fütterung mit kräftiger Nahrung Voraussetzung für einen guten Laichansatz sei. Daher hatte meine Gartenarbeit während dieser Zeit nicht nur den Sinn, den Garten herzurichten. Die eigentlich von mir als Bodenverbesserer geschätzten Regenwürmer und diverses anderes Bodengetier landeten bei dieser Gelegenheit im Sammelglas und bald darauf im Magen der immer hungrigen Buntbarsche. Finger­lange Regenwürmer waren kein Hindernis für die Fische, auch wenn sie lange an ihren Brocken zu wür­gen hatten. Jeder Aquarianer sollte sich einmal die Freude gönnen, seine Großcichliden mit "leckeren" Brocken zu verwöhnen. Sie fressen einem wirklich aus der Hand. Dann kann man ein ganz anderes, ein viel intimeres Verhältnis zu seinen Fischen bekommen als es bei Kleinstfischen möglich ist. Ersatzweise nehmen die Cichliden auch sehr gerne rohe Fleischstückchen vom Rind. Allerdings sollte man dieses Futter wirklich nur gelegentlich verfüttern. Man sagt, es belaste das Verdauungssystem der Tiere mehr als an­deres Futter. Gelegentlich ist zu lesen, dass die Ausscheidungsprodukte der Blaupunkt-Buntbarsche das Wasser besonders leicht trüben sollen. Ich habe in dieser Hinsicht keine entsprechenden Erfahrungen ge­macht.

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Zu den Fotos oben: Blaupunkt-Buntbarsche Aequidens pulcher mit ihrer erst seit Kurzem freischwimmenden Brut.        
         

Das Ablaichen der Fische kündigt sich durch deutliches Hervortreten der Laichpapillen an. Die letzten Tage vor dem Ablaichen war mein Männchen immer besonders aggressiv. Das Weibchen hatte allen Grund, sich über die zahlreichen Versteckplätze zu freuen, die ich ihm mit Steinen und Pflanzenwurzeln angelegt hatte. Bald versuchte der Barsch-Mann, sein Weibchen auf die verschiedensten Weisen zu ei­nem flachliegenden Stein zu locken, den er als Laichsubstrat erkoren hatte. Besonders auffallend war da­bei sein seitliches Kopfrucken. Schließlich kam das Weibchen für kürzere Zeit, dann auch bald für länger aus seinem Versteck, und bald begannen die Tiere heftig, ihren Stein zu putzen. Dabei war allerdings nichts von einer wirklichen Reinigung zu sehen.

Endlich glitt das Weibchen langsam und den Bauch an den Stein gepreßt über das Laichsubstrat, zu­nächst noch ohne Eier anzuheften. Immer wieder unterbrach es sein Gleiten durch einen "Putzbiß" in den Stein. Zweifellos knisterte es immer noch zwischen den Partnern, denn oft umkreisten sie sich mit weit ge­spreizten Flossen, und auch ein gelegentliches Senken des Gaumengrundes zeigte noch Aggressionen an. Zwischendurch aber wurden in Schnurform einige Eier am Stein abgesetzt und vom Männchen sofort befruchtet. Bei verschiedenen Cichlasoma-Arten und einigen anderen Cichliden (beispielsweise beim Se­gelflosser) beobachtete ich, dass die Tiere, Männchen wie Weibchen, ihre Rückenflosse beim Ablaichen fest anlegen. Meine Aequidens pulcher dagegen haben ihre Flossen zwar zumeist nicht gerade straff auf­gestellt, aber doch keineswegs angelegt.

Nach gut einer Stunde waren die Eier abgelegt, und das Männchen zog sich aus der Nähe des Laichstei­nes zurück. Noch immer glitt das Weibchen über den Stein, nun aber wirklich mit ganz straff gespannter Rückenflosse und ohne Eier abzulegen. Seine Brustflossen wedelten der sich nun langsam entwickelnden Brut Frischwasser zu. Das Männchen löste seine Gattin nur selten und dann nur kurzzeitig bei dieser Tä­tigkeit ab.

Nach drei Tagen waren die Eier vom Stein verschwunden. In der Zwischenzeit hatte der Vater im Sand verschiedene Gruben angelegt. Nun lagen die noch nicht schwimmfähigen Larven in einer Vertiefung hinter dem Stein. Sie wurden dort - auch wieder fast ausschließlich von der Mutter - gehegt und bewacht. Nach drei weiteren Tagen erhoben sich die ersten Jungen zum Schwimmen, und 24 Stunden später stan­den beide Eltern über einem großen Schwarm munter durcheinander quirlender Jungfische. Von der Jun­genpflege ließ sich der Vater aber nicht so leicht abdrängen wie vorher beim Versorgen des Laiches. In al­len Fällen bekam sich mein Paar spätestens drei Wochen nach dem Freischwimmen der Jungen "in die Wolle". Vielleicht lag es am doch nur recht kleinen Aquarium? Bei den recht heftig ausgetragenen Ehe­streitigkeiten siegte mit schöner Regelmäßigkeit der größere Herr Gemahl, und ich bin sicher, dass ich ihn durch Herausfangen seines Weibchens verschiedentlich vor dem Gattenmord bewahrt habe.

Die Aufzucht der Jungen ist für den Cichlidenfreund reine Routinesache. Die Kleinen nehmen schon bald Trockenfutter. Bei reichlicher Nahrung und häufigem Wasserwechsel wird man über die Schnellwüchsig­keit der Tiere staunen. Aber auch der Anfänger kann sich mit selbst herangezogenen Artemia-Nauplien als Anfangsfutter leicht einen großen Schwarm herrlicher Blaupunkt-Buntbarsche heranzüchten.

 

© Dr. Jörg Vierke


Der Fotofilm zu Aequidens pulcher: